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» Referat: Antimilitarismus



Wozu Antimilitarismus?

Bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen Staaten oder innerhalb einer Gesellschaft sind nach wie vor eine traurige Realität. Schlimmer ist, dass verschiedene Interessengruppen von der Aufrechterhaltung derselben profitieren. So auch in Deutschland. Seien es die großen Rüstungskonzerne oder die Bundeswehr selbst – die einen stehen ungern im Licht der Öffentlichkeit, weil sie wissen womit sie ihr Geld verdienen, die anderen legitimieren ihren Einsatz mit Demokratie, weil sie wissen, dass Krieg nichts demokratisches hat. Was also in Deutschland als schwarze Zahlen auf dem Bankkonto, weniger als Kampf für Freiheit und Demokratie oder aber in immer wiederkehrenden Nachrichten gefallener Soldaten erscheint, bedeutet für die direkt Betroffenen nichts anderes als Leid und Elend jeden Tag.

Wir exportieren!
Wir exportieren!
Wir machen Export in Offizieren!
Wir machen Export!
Wir machen Export!
Das Kriegsspiel ist ein gesunder Sport!“

diese von Stefan Heym 1931 verfassten Zeilen spiegeln eine sehr deutsche Realität wieder, die in historischen Katastrophen wie Verdun oder der Shoah mündete. Dass so etwas niemals wieder geschehe, ist längst Kanon im deutschen Mainstream. Zu jedem Jahrestag kommen aus den höchsten Kreisen des deutschen Staates die immer selben Floskeln – Floskeln die ich nicht ernst nehmen kann. Deutschlands internationale Rolle wird immer stärker und sicherheitspolitische Strategien immer bedeutungsvoller. Hätte man ein wirkliches Interesse, Lehren aus der Geschichte zu ziehen, würde man Waffenexport unterbinden, militärische Mandate ablehnen und Forschung nicht in den Dienst von Rüstung und militärischer Strategien stellen.

Antimilitarismus heißt, für eine Gesellschaft zu Kämpfen, in welcher Krieg kein Geschäft und Frieden nicht Mittel zum Zweck ist! Antimilitarismus heißt für eine solidarische und friedliche Gesellschaft zu kämpfen!

Uni Potsdam – Where the military studies?

Was hat die Universität Potsdam mit Militarismus zu tun? Leider nicht wenig:

  • 1996 wurde für Militärgeschichte eine Stiftungsprofessur des Verteidigungsministers eingerichtet.
  • 2002 wird in Anwesenheit des NATO-Generalsekretärs und des Verteidigungsministers ein neues Forschungszentrum zu Fragen der transatlantischen Sicherheits- und Militärpolitik eröffnet.¹
  • 2004 unterzeichnen das Sozialwissenschaftliche Institut der Bundeswehr (SWInstBw) und die Universität Potsdam einen Kooperationsvertrag.
  • 2007 startet der Masterstudiengang Military Studies, zur Hälfte getragen durch Institute der Bundeswehr.
  • 2009 wird das „Brandenburgische Institut für Gesellschaft und Sicherheit“ (BIGS) gegründet; das Institut gehört mehrheitlich zu einem An-Institut der Universität Potsdam. Alle weiteren Gesellschafter gehören zur Rüstungsindustrie; der Rüstungskonzern EADS hat aufgrund seines Anteils Vetorecht.

Zivilmilitärische Zusammenarbeit bedeutet immer eine Abkehr vom rein Zivilen.
Das rein Militärische, der Glaube an nachhaltige (Konflikt)Lösungen mit militärischen Mitteln, gibt es sicherlich im Militär und auch in entsprechenden Think Tanks. Das Zivilmilitärische, der Glaube an die Notwendigkeit militärischer Konfliktlösungen hier und da und dann (immer) auch mit zivilen Partnerorganisationen, ist sehr weit verbreitet.
Wo aber hat das rein Zivile seinen Platz? Wie können wir eine Emanzipation, eine Entwicklung hin zu weniger Kriegen schaffen, wenn die Gesellschaft sich dieser Perspektive verwehrt?

Es gibt auch Raum für diese Perspektive.

So wurde in Bremen 1986 eine sogenannte Zivilklausel eingeführt und 1992 erneuert. Darin steht, der akademische Senat werde „jede Beteiligung von Wissenschaft und Forschung mit militärischer Nutzung bzw. Zielsetzung“ ablehnen. Die Klausel fordert „die Mitglieder der Universität auf, Forschungsthemen und -mittel abzulehnen, die Rüstungszwecken dienen können.“

Auch Hochschulen in Berlin, Dortmund, Konstanz, Oldenburg und Tübingen haben ähnliche Zivilklauseln.

Zivilmilitärische Zusammenarbeit ist Militarisierung; und diese gilt es zu beenden. Für wirklich „unabhängige Erforschung von Militärgeschichte“² und Militärsoziologie müssen wir die Verflechtungen mit der Bundeswehr auflösen.
Höchste Zeit, dass auch wir eine Zivilklausel haben. Höchste Zeit, dass wir Militär und Rüstungsindustrie der Campi verweisen und für eine proaktive Friedensforschung eintreten.

Noch nicht genug Infos? Mehr finden sich in der Broschüre „Universität Potsdam – where the military studies?“ Die gibt’s gedruckt beim AStA oder hier online.
Bei allen Fragen/Anregungen oder bei dem Wunsch, selbst mit aktiv zu werden: Meldet Euch bei mir!

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1 Es sollte „einen Beitrag dazu leisten, die strategischen Interessen der Atlantischen Gemeinschaft im 21. Jahrhundert zu umreißen und die Prioritäten der deutschen, europäischen und amerikanischen Sicherheitspolitik neu zu definieren.“ [Chronik „20 Jahre Universität Potsdam“]

Das Projekt scheiterte an der Finanzierung.

2 So der Titel eines Uni-Beitrags zur Einrichtung der Stiftungsprofessur für Militärgeschichte. Das Stiften der Professur durch den Verteidigungsminister lässt allerdings Zweifel an der damals verkündeten Unabhängigkeit aufkommen. Inzwischen hat das Land Brandenburg die Professur übernommen.



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