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» Mehr Geld für Studierendenwerke! Mehr Wohnraum für Studierende!



214. Das ist die Zahl der Studierenden, die auch nach der letzten Verlosung um die Restplätze in den Potsdamer Wohnheimen leer ausgingen. 214 Menschen, die nach Potsdam gekommen sind um zu studieren, zu wohnen und somit auch die Kassen von Hochschulen und Stadt zu füllen. Doch Wohnraum mit einer bezahlbaren Miete blieb ihnen verwehrt: welch‘ schönes Willkommen in Potsdam, der Stadt der Preußen, des Prunks und der Preisexplosion.

Potsdam gilt, nicht nur was die Mieten anbelangt, als eine der teuersten Städte der neuen Bundesländer. Unter zwei Prozent der Wohnungen stehen hier trotz vermietbaren Zustands leer. Und dies betrifft nicht nur Villen mit Privatufer: auf die Vermietung WG-geeigneter Wohnungen in Zentrums- und Uninähe wird oftmals verzichtet. Grund ist der sogenannte strategische Leerstand: Die Eigentümer_innen setzen lieber auf Luxussanierungen, statt sich auf unbestimmte Zeit einer Mietbremse zu unterziehen. Denn Privaten Wohnungsgesellschaften wird bei Neuvermietungen überhaupt kein Einhalt geboten. Gleichzeitig kürzt die Landesregierung immer weiter in Millionenhöhe die Zuschüsse für die beiden Studierendenwerke. Studis kommen auf Wartelisten und stehen zwischen Obdachlosigkeit und dem völlig überteuerten Potsdamer Wohnungsmarkt. Ein Dilemma.

Doch der Wohnungsmarkt ähnelt dem Wilden Westen: gesetzliche Regelungen sind spärlich und alle befinden sich im Goldrausch. Wenn es um städtische Wohnungsbaugesellschaften wie die Pro Potsdam geht, gibt es bis jetzt nur selbstauferlegte Verpflichtungen, wie z.B. eine maximale Mieterhöhung von 15 Prozent alle vier Jahre. Bei Neuvermietungen soll die Miete nicht mehr als 10 Prozent über dem Mietspiegel liegen. Private Wohnungsbaugesellschaften jedoch unterliegen kaum einer Steuerung. Die wenigen gesetzlich geregelten Mietpreisgrenzen können unter Umständen übergangen werden.

Das Ergebnis dieser Situation ist eine perverse Spirale des ständigen Anstiegs von Mieten. Anreize für Mietsenkungen gibt es keine. Im Gegenteil: Die Quadratmeterpreise im Mietspiegel, der überall die Erhöhung von Mieten regelt, steigen stetig. Auch in den klassischen Ausweichgebieten außerhalb der Innenstadt müssen für 1-Raumwohnungen bereits locker über 300 Euro hingeblättert werden.

Der AStA der Universität Potsdam fordert folgende konkrete Schritte:

  • gesetzliche Mietkappung – auch bei Neuvermietungen
  • Veräußerung städtischer Grundstücke nur unter Auflagen
  • angemessener Landeszuschuss an die Studierendenwerke

Die selbst auferlegten Einschränkungen städtischer Wohnungsbaugesellschaften bezüglich der Mietpreise gebieten der Gentrifizierung offenkundig keinen Einhalt. Insbesondere bei Neuvermietungen müssen Mieterhöhungen gesetzlich begrenzt werden!

Bei Veräußerung von Grundstücken aus öffentlicher Hand wird meist nur ans schnelle Geld gedacht. An den Verkauf gekoppelte Auflagen fehlen zumeist. Das kaufende Unternehmen muss verprlichtet werden, einen Anteil der Neubauwohnungen für einen Quadratmeterpreis von maximal 5,50 Euro zu vermieten.

Für die Studierenden speziell ist wichtig, dass die Kürzungspolitik des Landes bei den Studierendenwerken ein Ende hat. Erhöhung von Semesterbeiträgen, gestiegene Preise in den Mensen und nicht zuletzt steigende Mieten in den Studierendenwohnheimen sind nur einige Folgen der immer knapper werdenden finanziellen Möglichkeiten des Studentenwerks Potsdam.

214 Studierende ohne Wohnheimplatz: Dimensionen, welche dem Wohnheim-Neubau „Zum Mühlenteich“ in Golm entsprechen (200 Wohnheimplätze). Diese Plätze müssen zeitnah bereitgestellt werden – und zwar nicht durch private Investoren, die den studentischen Wohnungsmarkt als lohnende Investition entdeckt haben. Zumal sich nicht jede_r Studierende_r kann eine Wohnung für 15 Euro pro Quadratmeter oder mehr leisten kann. Deshalb: Mehr Landeszuschüsse für die Studierendenwerke, die mindestens den Neubau eines weiteren Wohnheims in Potsdam ermöglichen!

In der Woche vom 4. bis 8. November findet eine bundesweite Mietenaktionswoche unter dem Titel „Studis gegen Wohnungsnot“ statt, an der wir uns beteiligen. Weitere Infos dazu gibt es unter: http://studis-gegen-wohnungsnot.de/

Zweihundert weitere Wohnheimplätze für zweihundert Studis ohne Dach über dem Kopf!

Links zum Thema

Weiterführende Materialien

  • Pressemitteilung des Deutschen Studentenwerkes (DSW) zur aktuellen Wohnsituation der Studierenden
    „50.000 Studierende stehen derzeit noch auf den Wartelisten der Studentenwerke für einen Wohnheimplatz. Zusätzlicher, bezahlbarer Wohnraum für Studierende tut not! Die Studie bestätigt uns in unserer Forderung nach einem Bund-Länder-Programm für 25.000 zusätzlich, staatlich geförderte Wohnheimplätze.“
  • Aktuelle HISBUS-Umfrage „Wohraumsuche und Wohnen zu Studienbeginn“
    „Selbst bei knapp einem Viertel der Studierenden mit einer Suchdauervon bis zu drei Monaten liegt der wichtigste Grund für die gewählte Wohnform in einer Notsituation (zusammengezählte Prozentwerte der Kategorie Notsituation, 23 %). Beträgt die Suchdauer drei Monateund mehr, so gewinnen Gründe, die mit einer Notsituation verknüpft sind, noch mehr an Bedeutung (34 %).“
  • Kurzgutachten des Bundesverbandes freier Immobilen. und Wohnungsunternehmen e.V. aus dem Mai 2013
    „Ein wesentlicher Indikator ist hierbei auch die Unterbringungsquote, also das Verhältnis von Wohnheimplätzen und Studierendenzahl. Fällt diese niedrig aus, kann dies die Wohnsituation für Studierende zusätzlich verschärfen. In Kombination mit hohen Angebotsmieten treten niedrige Unterbringungsquoten vorwiegend in Großstädten auf. Beispiele für solche Brennpunkte mit Angebotsmieten über 8,00 Euro/qm und einer Unterbringungsquote unter 10 % sind etwa Hamburg, Potsdam, Köln, Frankfurt oder Wiesbaden.“


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